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Secret Garden Festival 2005 in Hannover

Festivalbericht

Festivalbericht - Impressionen - Bands Freitag - Bands Samstag - Bands Sonntag

Am Wochenende vom 8.-10. Juli 2005 fand in Hannover im Musiktheater Bad wieder das Secret Garden Festival statt. In diesem Jahr hatte ich die Gelegenheit, erstmals alle drei Festivaltage mitzunehmen und habe mich dabei wie immer vorwiegend auf das Konzertprogramm konzentriert. Minerve war schonmal ein guter Anlass, sich bereits am Freitag auf den Weg zu machen. Vor Minerve waren aber zunächst 3 weitere Bands zu überstehen. Die harten Industrial Sounds und Rhythmen von Fabric C, Schattenschlag und TH Industry waren nicht ganz so meine Welt und so ist es bei kurzen Blicken und ein paar Fotos geblieben. Zeit stattdessen für ein paar Unterhaltungen am Rande und Fotos im Außenbereich...

Minerve

Der Auftritt von Minerve verlief dann wie erwartet, leider aber auch etwas unspektakulär. Die Musik war eingängig und gut abgemischt. Während die Band technisch alles richtig gemacht hat, fehlte es ihr aber etwas an Ausstrahlung und Sänger Daniel wirkte leicht distanziert. Das könnte natürlich an dessen hünenhafter Größe gelegen haben... Wirkliche Begeisterung wollte sich bei mir jedenfalls noch nicht einstellen, aber es war zumindest schon einmal ganz nett.


Implant

Die erste wirkliche Überraschung des Tages war dann erst der Freitags Headliner Implant. Das begann schon beim Outfit des Duos - eine art Zwillings-Look mit schwarzen Overalls, coolen Sonnenbrillen und abrasierten Haaren. Dazu passende elektronische sehr eingängige, fesselnde und melodiereiche Musik, die mich gleich beim ersten hören überzeugen konnte. Entsprechend gut kam die Band beim Publikum an und einige Tanzbegeisterte fanden sich somit auch vor der Bühne ein. Etwas peinlich waren allerdings diverse verpatze Einsätze des Drummers, den man früher wohl eher als Pecussionist bezeichnet hätte. Probleme mit dem Monitor Sound auf der Bühne waren offensichtlich die Ursache, aber das Playback hat's gerettet. Gefehlt hat eigentlich nur Anne Clark, die ebenfalls per Playback bei einigen Songs zu hören war. Hier hätte man vielleicht frühzeitig Sara Noxx um Mithilfe bitten sollen, die auf diesem Festival ja später auch noch gesichtet wurde.


Im Anschluss gab es noch eine erste Feuershow, die auf dem stillgelegten Sprungturm des Bads installiert war, bevor es dann mit dem Partyprogramm weiterging.


Scary Bitches

Am Sonnabend war zeitiges erscheinen angesagt, da bereits bei den frühen Bands erste Highlights zu erwarten waren. Vom Voting Gewinner Heavy Current hab ich nur ein paar letzte Takte mitbekommen, die aber doch ganz ordentlich waren. Nach langer Verzögerung ging es mit den britischen Scary Bitches als erstem Open Air Act weiter. Vor leider noch wenigen Zuschauern konnten die drei Musikerinnen mit ihren aufwändigen und phantasievollen Kostümen und ihrem an Siouxie and the Banshees erinnernden Sound überzeugen. Leider kam die Band mit ihrem geplanten Set nicht ganz zu Ende, da sie (offensichtlich selbstverschuldet) zu spät angefangen hatten aber pünktlich aufhören mussten. Denn die nächste Band stand bereits in den Startlöchern. Entgegen der ursprünglichen Planung waren die Spielzeiten der Indoor Bands mittlerweile so umgelegt worden, dass diese immer in Umbau-Pausen auf der Hauptbühne spielen konnten und die Besucher so nicht mehr zwingend die Qual der Wahl hatten. Und so ging es - fast 1 1/2 Stunden später als geplant - endlich mit Distorted Reality weiter. Die Scary Bitches trugen es mit Fassung und waren fortan bei fast allen folgenden Auftritten vor den Bühnen im Publikum zu finden.


Distorted Reality

Obwohl das Distorted Reality Debüt-Album bereits im Jahre 2002 erschienen ist und von der Presse zu Recht bejubelt wurde, ist dieses deutsch-amerikanische Duo, bestehend aus dem aus Bielefeld stammenden Sound-Tüftlers Christian und der ehemaligen Deep Red Sängerin Martha (dem einen oder anderen vielleicht noch vom letzten Grenzwellen Night of Darkness Sampler bekannt) bisher vergleichsweise unbeachtet geblieben. Durch die noch bis vor kurzem in Miami beheimatete Sängerin Martha blieben Liveauftritte selten und die mittlerweile schon seit mehr als einem Jahr verschobene Veröffentlichung des Nachfolgewerks trug auch nicht zur gesteigerten Bekanntheit bei. Auf dem Secret Garden Festival hatten Distorted Reality nun aber wieder die Gelegenheit, ihre Live-Qualitäten unter Beweis zu stellen und lieferten zu früher Stunde einen grandiosen Auftritt ab. Der Sound der Live mit Drummer und Gitarristen verstärkten Formation war perfekt und stimmig und die Band zudem in bester Laune. Die mitreißenden Songs rundeten das Bild ab und konnten das für die frühe Stunde zahlenmäßig schon ganz ordentliche Publikum begeistern. Für viel Präsenz vor der Bühne sorgten zudem auch sämtliche Fotografen des Festivals, die irgendwie Wind bekommen haben mussten, dass diese Band sich auch optisch unbedingt lohnen würde. Für ansehnliche Verstärkung sorgte dann auch noch ein Gast-Duett mit Technoir Sängerin Julia Beyer und auch sonst entpuppte sich Sängerin Martha als ein entfesseltes Energiebündel und lief beim besonders rockigen Billi Idol Cover Rebell Yell zur Höchstform auf. Auf jeden Fall eines meiner persönlichen Highlights dieses Festivals und eine Band von der hoffentlich noch häufiger etwas zu sehen sein wird.


Epica

Danach war erst einmal Luftholen angesagt, aber es ging dann auch gleich nahtlos weiter mit Epica aus den Niederlanden. Auf dem letzten Mera Luna Festival konnten sie mich nicht ganz so überzeugen. Neben einigen schönen und eingängigen Songs verloren sie sich damals streckenweise in anstrengenden Gitarrenorgien, denen nur schwer zu folgen war, wenn man die Musik nicht kannte. So ähnlich war es auch dieses Mal und ihnen fehlt immer noch die Leichtigkeit von z.B. Within Temptation. Trotzdem ein insgesamt schöner Auftritt dieser vor allem wegen der bezaubernden Sängerin Simone sehr sehenswerten Band.


Angelzoom

Weiter ging es auf der Hauptbühne mit Angelzoom, die Band der X-Perience Sängerin Claudia Uhle. Alte X-Perience Klassiker gab es leider nicht zu hören, stattdessen stockten Angelzoom ihr Repertoire mit Coverversionen wie z.b. Stings Fragile oder einer sehr eigenwilligen Interpretation von Depeche Mode's Blasphemous Roumors auf. Insgesamt dominierten, wie schon auf dem aktuellen Angelzoom Album, ruhige Töne, live aufgewertet zudem von Streichern der Letzten Instanz. Einerseits also schöne ruhige Musik, aber eher dazu geeignet, sich am Rande einen Sitzplatz zu suchen und dieser in Ruhe zu lauschen. Somit hielt sich wiederum der Besucherandrang vor der Bühne in Grenzen, wo es dann noch als Höhepunkt das Duett "Back in the Moment" mit Joachim Witt gab. Dieser konnte sich also schon einmal warm singen für seinen Auftritt der gleich folgen sollte.


Witt

Nach der obligatorischen Umbaupause ging es mit Joachim Witt weiter. Hier war ich anfänglich etwas skeptisch, hatte ich mich seit Bayreuth Eins doch nicht mehr viel mit ihm beschäftigt. Aber Joachim Witt und seine sehr guten Begleitmusiker konnten mich schnell überzeugen, zumal auch viele alte Songs, wie 'Das geht tief' oder 'Und ich lauf' gespielt wurden. Publikumshit war dann aber letztlich doch der klassische Goldene Reiter in der Zugabe, da konnte auch jeder leicht mitsingen. Die darauf folgende moderne Interpretation des Herbergsvaters hatte aber auch unbedingt ihren Reiz, das war auch schon Anfang der 80er mein definitiver Lieblingssong von Joachim Witt und zum Ausklang eines Konzerts eignet sich die Struktur dieses Stücks auch ungemein.


Golden Apes

Weiter ging es wieder indoor mit den Golden Apes. Kurz vor dem Auftritt trommelte ein besonders engagierter Freund der Band mit marktschreierischen Einsatz und ebensolchen Sprüchen ("besser als die Sisters...', 'vergesst Apoptygma...') beherzt noch ein paar unentschlossene Festivalbesucher zusammen und dann konnte der Auftritt auch schon beginnen. Unter den Zuschauern waren natürlich auch einige Dust of Basement Fans, die hier dem Gothic-Rock-Projekt des Dust of Basement-Sängers Peer lauschen wollten und mit Gitarrist Eric und Keyboarder Sven war hier bereits auch schon 75% der Dust of Basement Live-Formation zu finden.


Apoptygma Berzerk

Die Headliner des Festivals konnten bei Anbruch der Dämmerung erwartungsgemäß am meisten Publikum vor die große Bühne ziehen. Von ihnen gab es dann auch solide Kost, sowohl alte Hits, wie auch aktuelle Songs. Wenn man z.B. ihre letzten Mera Luna Auftritte mitverfolgt hatte, war das aber auch nicht überraschend. Erfreulicherweise stimmte dieses Mal der Sound bei den meisten Stücken. Lediglich einige der älteren Songs konnte man teilweise nur am Text wiedererkennen, weil die Melodien mal wieder im übersteuerten Bass ersoffen sind. Aber das hatte ich in der Vergangenheit bei Apoptygma Berzerk auch schon schlimmer erlebt.


The Cold

Wer nach Apoptygma noch nicht genug hatte oder sowieso lieber weniger elektronisches bevorzugte, konnte sich zum Ausklang des Tages noch an The Cold erfreuen. Der Bandname verhieß ja schon 'irgendwas in Richtung Cure' und das war dann auch genau der Fall. Selbst stimmlich und vom Stil her erinnerte der Gesang von Sänger Uwe manchmal an Robert Smith und auch der Sound der Stücke war an die frühen Cure angelehnt. Es blieb allerdings bei dieser Auffälligkeit, denn ansonsten konnten The Cold mit eigenständigen Melodien und Songs selbst den unvorbereiteten Zuschauer überzeugen und bildeten somit einen runden Abschluss des Festivalsamstags.


Christian Purwien

Sehr gespannt war ich am Sonntag auf den Auftritt des ehemaligen Second Decay Sängers, mochte ich doch vor allem immer die tollen Texte von Second Decay. Meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Neben einigen obligatorischen Second Decay Klassikern gab es auch endlich neues noch unveröffentlichtes Material von Christian Purwien zu hören, für das er sich allerdings mehrfach entschuldigt hat Fans können manchmal ganz schön konservativ sein, hatte er wohl befürchtet, dabei hat sich letztlich niemand beschwert. Seine neuen Songs stehen dem alten Material zumindest textlich in nichts nach, aber musikalisch klingt es leider fast schon eine spur zu reif und 'normal'. Es ist halt doch nur zur Hälfte Second Decay und die verspielten Synthie Sounds des ehemaligen Kollegen Andreas Sippel sind nicht so ohne weiteres zu ersetzen. Neben neuen und alten Songs konnte beim Auftritt vor allem die Mimik und Gestik von Christian überzeugen, ein toller Live Musiker der alle Blicke auf sich und das Publikum in seinen Bann gezogen hat.


The Ancient Gallery

Am frühen Sonntag Nachmittag hatten The Ancient Gallery einen ziemlich undankbaren Termin. Noch war kaum Publikum da und für die wenigen, die sich dennoch eingefunden hatten, war der Ramstein-ähnliche druckvolle Sound mit deutschen Texten scheinbar zu anstrengend. So leerte sich der Indoor Bereich während des Auftritts zusehends, so dass am Ende kaum noch Publikum auszumachen war. Schade für die Band, denn The Ancient Gallery machte ihre Sache durchaus gut und hatte solch eine Missachtung nun wirklich nicht verdient. Aber das passiert wohl gelegentlich.


Dust of Basement

Für ein volles Haus sorgten gleich danach aber Dust of Basement. Das jahrelange treue Festhalten an ihrem ganz eigenen Sound mit treibenden Beats auf leicht entrückten Synth-Fundamenten und dem abwechselnden Gesang der markanten Stimmen von Sängerin Birgitta und Sänger Peer, zahlt sich für die Berliner Formation langsam in Form einer stetig wachsenden Fangemeinde aus. So war es ein kluger Entschluss, trotz Babypause von Sängerin Birgitta einmal einen Festivalauftritt dazwischen zu schieben und dürfte sich für die Band sehr gelohnt haben. Vor allem die Stimmung beim Konzert war einfach toll. Sämtliche Songs, übrigens fast ausschließlich von den letzten beiden Alben, wurden vom Publikum bejubelt, was wiederum freudestrahlende Gesichter bei der ganzen Band auslöste. Und so waren Dust of Basement auch die ersten, die bereits zu früher Stunde Zugaberufe ihrer begeisterten Fans einheimsen konnten und für diese nochmal auf die Bühne mussten.


Y-Luk-O

Im einheitlichen Armee-Look und auf mit Tarnnetzen ausstaffierter Bühne präsentierten sich Y-Luk-O vor wiederum recht wenig Publikum. Bei weniger bekannten Namen zogen die meisten Besucher es doch wieder vor, draußen in der Sonne oder zumindest an der frischen Luft zu bleiben. Für den sympathischen Sänger Leo aber auch kein Problem. Dieser suchte immer wieder den Publikumskontakt und brachte das Funk-Micro auf der nur 3 Meter breiten Bühne selbst keinen Vorteil, so ermöglichte es ihm zumindest den gelegentlichen Abstecher ins Publikum oder sogar in den Outdoor Bereich.


The Eternal Afflict

Den wirklich krönenden Abschluss des Festivals boten The Eternal Afflict. Zusammen mit Sängerin Angela, die bereits Anfang der 90er die Band auf dem Album War unterstützt hat und neuerdings wieder zur Band gestoßen ist, legte Sänger Cyan eine mitreißende, energiereiche und schweißtreibende Show auf die Bühne. Diverse unverzichtbare Klassiker wie 'We libanon you' oder 'Trauma Rouge' wurden gespielt, aber den überwiegenden Teil machten machten Stücke der letzten beiden Alben aus, wobei die Band manchmal selbst überrascht schien, dass sogar Stücke des neuen Albums 'Euphoric & Demonic' vom Publikum frenetisch gefeiert wurden. Sagt man dem hannoverschen Publikum oft unterkühlte Teilnahmslosigkeit vor, war davon bei diesem Auftritt absolut nichts zu spüren. Die Menge war am kochen, jeder Song wurde gefeiert und die bekannteren Stücke wie "San Diego" oder "The Witch" natürlich lautstark mitgesungen. Zweimal musste die Band zur Zugabe auf die Bühne, wobei als kleiner Höhepunkt noch der Song Venustrap von Cyan im Duet mit Sara Noxx dargeboten wurde. Für mich war es rückblickend das beste und fesselnste Konzert des gesamten Festivals, was sowohl an der Band als auch am genialen Publikum lag und und man konnte den Heimweg mit dem guten Gefühl antreten, nochmal etwas ganz besonderes erlebt zu haben.


Lesung mit Ecki Stieg

Abseits der Konzerte bleibt noch die Lesung mit Ecki Stieg am Sonntag Nachmittag sehr bemerkenswert. Man konnte einmal innehalten und in dem schönen Ambiente und bei bestem Sommerwetter den bissigen Worten des Herrn Stieg lauschen, der bei einem Glas Wein in seinen Essays über Patchouli, Backstage Zecken oder die Kundschaft der DJs der Szene einen manchmal unbequemen aber zweifelsohne amüsanten Spiegel vorhielt.


Fazit

Angesichts des fast geschenkten Eintritts von nur 5 Euro am Sonntag, bot dieser Tag somit auf jeden Fall ein ganz besonders bemerkenswertes Preis Leistungsverhältnis - wie auch das gesamte Festival! Ein tolles Wochenende für Hannover, hoffentlich gibt es das auch im nächsten Jahr wieder.


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Weitere Infos zum Festival finden sich auf der Festivalhomepage www.secret-garden-festival.de

Festivalbericht - Impressionen - Bands Freitag - Bands Samstag - Bands Sonntag

Björn, 18.07.2005 19:01