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Wave Gotik Treffen 2007 in Leipzig

Festival Tagebuch

Festival Tagebuch - Besucher und Impressionen - Konzerte Samstag - Konzerte Sonntag - Konzerte Montag

Vorbemerkung

Im Mai 2007 sollte es soweit sein, dass ich das mittlerweile 16. Wave Gotik Treffen vom 25.-28.05.2007 endlich einmal aus nächster Nähe erleben konnte. Hier mein ganz persönlicher Festivalbericht in Tagebuchform über mein erstes WGT. Auf den folgenden Seiten gibt es dann diverse Fotos, u.a. von Cassandra Complex, Conetik, De/Vision, Elegant Machinery, Fixmer/McCarthy und der Hänsel und Gretel Inszenierung des Salonorchester Weimar.

Freitag

Die Anreise nach Leipzig bei bestem Sommerwetter war problemlos und dort eingetroffen galt es zunächst, organisatorisches zu erledigen. Nach dem Beziehen der Unterkunft und dem Zusammentreffen mit Bekannten konnten am Agra Gelände endlich die Bändchen geholt werden (leider erstmal ohne Pfingstboten) und ein erster Zwischenstopp führte auf den Festivalzeltplatz. Bis das weitere Vorgehen geklärt war, verging wieder einige Zeit und erst dann ging es endlich Richtung Werk II zum ersten Konzert. Ich wollte Pzychobitch sehen. Dort empfing uns allerdings eine mächtige Warteschlange und dabei hatte das Konzert bereits angefangen. Die Schlange bewegte sich im Verlauf der nächsten Minuten kaum weiter und als wir zum Beginn des anschließenden Auftritts von In Strict Confidence dem Eingang immer noch nicht wesentlich näher gekommen waren, erschien es uns sinnvoller, eine andere Location mit mehr zeitlichem Vorlauf zu probieren.

Neues Ziel wurde die Lesung von Ernst Horn und Ecki Stieg im Cinestar, wo wir nun bereits eine Stunde vor Beginn eintrafen. Dort hieß es schon wieder warten, erst 10 Minuten vor Beginn war man sich scheinbar einig, was für Karten man verteilen wollte und dann hieß es wieder warten, bis wir endlich in den Kinosaal durften und das ganze mit reichlich Verspätung begann. Die Lesung war sehr ansprechend, auch wenn ich die schon recht alten Essays von Ecki Stieg bald mitsprechen kann und den Text von Ernst Horn erst kürzlich im Buch "Gothic 3" gelesen hatte.

Im Anschluss ging es nach einem kurzen Abstecher zur Moritzbastei mit gnadenlos überfüllten S-Bahnen zum Völkerschlachtdenkmal. Zur Eröffnungsveranstaltung wollten schließlich alle hin. Pünktlich zum Beginn der Monumentum II Veranstaltung setzte der Regen ein, so dass man aufgrund zahlreicher sichtversperrender Regenschirme von der Lichtinszenierung und In The Nursery nicht viel sehen konnte und mehr damit beschäftig war, selbst nicht zu nass zu werden.

Erstes Fazit: Ein hinsichtlich Musik und Konzerten wenig ergiebiger Tag, was die noch anschließende sehr gefällige Party in der Moritzbastei nur bedingt entschädigen konnte.

Samstag

Am Vormittag bot sich zunächst ein Einkaufsbummel in der Leipziger Innenstadt an, bevor es kurz nach Mittag zum UT Connewitz ging. Nach den Erlebnissen des Vortags vorsichtshalber frühzeitig dort, galt es dann dann erstmal wieder, mehr als eine Stunde mit Warten zu überbrücken. Dann begann endlich die geniale Hänsel und Gretel Aufführung des Salonorchesters Weimar und es war einfach nur faszinierend, wie es diesem Ensemble gelungen ist, einen Bogen zwischen zahlreichen Rammstein Songs und der Hänsel und Gretel Geschichte zu schlagen und das ganze auch noch mit einer originellen Show und Sound im Apokalyptika-Stil aufzuwerten. Die erste wirklich große Überraschung des Festivals. Einziges Manko: Die spärliche Bestuhlung des UTC war für solch eine Veranstaltung völlig unzureichend und das lange Sitzen auf dem Beton-Hallenboden ausgesprochen unbequem.

Danach ging es zu dem Konzerten auf dem Agra Gelände. Statt den erwarteten Les Anges De La Nuit spielten allerdings Suicide Commando, absolut nicht mein Fall. Absurd Minds und Rotersand gefielen mir da schon deutlich besser, Orange Sector dazwischen war allerdings ein willkommener Anlass, das ganze nochmal zum frische Luft tanken zu unterbrechen. Es folgten Psychlon Nine, interessant anzusehen, aber musikalisch weniger mein Fall. Da es im verlauf immer leerer wurde, habe ich die Gelegenheit genutzt, langsam nach vorne zu rücken, dann begann das Warten auf Front 242. Zuletzt hatte ich Front 242 vor knapp 20 Jahren gesehen und war sehr gespannt. Vom eigentlichen Konzert habe ich trotz optimalem Platz in der 2. Reihe dann leider nicht so viel mitbekommen, war ich doch angesichts der wildgewordenen Horde EBM-Hooligans hinter mir mehr damit beschäftigt, irgendwie stehen zu bleiben und die ständigen Stöße und Rempler an die erste Reihe weiterzugeben, ohne dabei den Fotoapparat zu verlieren. Soweit ich es mitbekommen habe, hat es mir aber gefallen und war in gewisser Hinsicht natürlich auch ein irgendwie unvergessliches Erlebnis. Das ging dann aber auch irgendwann vorbei und was der Regen bisher nicht geschafft hatte, hatte nun die schweißtreibende Szenerie um Front 242 erledigt: Ich war klatschnass und musste erstmal ins Hotel um wieder in trockene Sachen zu kommen, bevor der Tag in der Moritzbastei ausklingen konnte.

Fazit: Auch wenn bei den Agra Konzerten nichts wirklich überragendes dabei war, hatte sich dieser Tag allein schon wegen des Auftritts des Salonorchesters Weimar gelohnt.

Sonntag

Da am Vormittag programmtechnisch nichts interessantes anlag, ging es erstmal zum Agra Gelände sowie ins benachbarte Heidnische Dorf, wo zufällig gerade ein Konzert von Faun stattfand. Am Nachmittag stand das Doppelkonzert von Qntal und Estampie auf dem Plan und es zeichnete sich ab, dass es wohl sehr voll werden könnte. Trotz vermeintlich gutem Platz in der Warteschlange endete die Aktion leider jäh im Foyer, nur 10 Meter vor dem finalen Einlass. Sehr ärgerlich! Und wenn vor uns 650 glückliche Qntal Fans reingekommen sind, dürften hinter uns nochmal ebenso viele leer ausgegangen sein, wenn nicht sogar mehr.

Also Ortswechsel zum Kohlrabizirkus, wenigstens dort sollte doch genug platz sein und es waren auch vielversprechende Bands angekündigt. Der Auftritt von Seabound beeindruckte vor allem durch eine aufwendige Lasershow. Als anschließend Conetik spielten, wurde es vor der Bühne leider merklich leer. Trotzdem eine gute Idee, die weniger bekannten Acts zwischendurch spielen zu lassen und ihnen somit etwas Laufkundschaft zu verschaffen, die sich das ganze notfalls von weitem ansieht und anhört. Allerdings wurden Conetik von technischen Pannen geplagt, auf ihrer letzten Tour im Vorprogramm von Mesh kamen sie klanglich deutlich besser rüber.

Auf Conetik folgte der eigentliche Höhepunkt des Tages. Die wiederformierten Elegant Machinery wurden vom Publikum derart frenetisch gefeiert, als Stünde ein Robbie Williams auf der Bühne. Jede Bewegung auf der Bühne und sämtliche Songs wurden ausnahmslos bejubelt und ohne Aufforderung mitgeklatscht. Solch eine Stimmung habe ich bisher nicht einmal bei And One erlebt. Das war natürlich höchst ansteckend und Elegant Machinery Frontmann Robert Enforcen konnte das ganze kaum fassen: "It's so good to be back". Hoffentlich bleiben sie es auch.

Nach einem Konzert von Nothern Lite spielten an diesem Tag als letztes De/Vision im Kohlrabizirkus. Der Auftritt an sich war nicht zu beanstanden und seit jeher finde ich De/Vision Live auch interessanter als von CD. Aber beim Publikum sprang der Funke dieses Mal nicht richtig über und die Versuche von Frontmann Steffen, das Publikum zum mitmachen zu animieren "Ich kann eure Hände nicht sehen", wirkten im Vergleich zu Elegant Machinery geradezu hilflos.

Fazit: Zu Veranstaltungen wie dem Qntal-Estampie Auftritt sollte man sich zukünftig bereits vor dem Frühstück einen Platz in der Warteschlange sichern oder gleich davon Abstand nehmen. Speziell in diesem Fall hat zumindest mich der umwerfende Elegant Machinery Gig entschädigt, den ich sonst verpasst hätte.

Montag

Auch der Montag begann Vormittags wieder auf dem Agra Gelände, derweil sich nichts anderes anbot. Am frühen Nachmittag ging es dann die Innenstadt zur Lesung von Christian von Aster im Cinestar. Auch hier ergab sich wieder das Problem, dass mehr Besucher kamen, als Plätze zur Verfügung standen und die anfangs noch geordnete Warteschlange irgendwann völlig ins Chaos zerfiel. Dieses Mal sollte ich aber Glück haben und gehörte zu den letzten 15 Leuten, die knapp vor Toreschluss per Hand auf die noch letzten freien Sitze verteilt wurden. Die mit Videoprojektionen aufgepeppte Lesung selbst war sehr amüsant, der Weg hatte sich gelohnt.

Nach sehr viel elektronischer Musik in den letzten Tagen war mir zur Abwechslung nun nach etwas Gitarrenmusik und das Werk II lud an diesem Tag zu einem kurzen Abstecher ein. Mit den Chrimson Ghosts, die dort den Tag eröffneten, und ihrer Lordi-artigen Horror-Metall Mischung, konnte ich allerdings nichts anfangen und blieb nicht sehr lange.

Aufgrund der allgegenwärtigen Warteschlangenproblematik ging es dann ohne weitere Experimente auf direktem Weg zum Kohlrabizirkus. Dort eingetroffen war gerade Proceed am Gange und nach wenigen Stücken war klar, dass diese absolut schwache DAF-Reinkarnation definitiv nicht mein Fall ist.

Sehr viel besser gefiel da schon Dive. Ganz ohne Equipment auf der Bühne vermag es Dirk Evens doch allein durch seine Stimme und Ausstrahlung das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Großartig! Für die abgrundtief düstere Musik hätte es in der Halle allerdings noch etwas dunkler sein dürfen. Die anschließenden Heimataerde waren hingegen gewöhnungsbedürftig. Die Idee einer Art Kreuzritter-Show und die Verbindung von harten Elektroklängen mit mittelalterlichen Fragmenten ist ja vom Ansatz noch ganz originell, aber in der Ausführung durch Heimataerde dann doch nicht überzeugend. Besonders der ätzende Gesang wirkte abstoßend auf mich.

Das Finale näherte sich mit Fixmer/McCarthy. Ein Auftritt, der meine hohen Erwartungen gänzlich erfüllt hat. Zumindest in den vorderen Publikumsreihen wurde unablässig zu den treibenden Beats von Terence Fixmer getanzt und der auf der Bühne rastlose Douglas McCarthy gehört für mich ohnehin zu den beeindruckensten Sängern dieser Zeit.

Als letztes spielen Cassandra Complex in fast Originalbesetzung und auch wenn sich die Halle aufgrund des Stilbruchs zusehends leerte, feierten alte und neue Cassandra Complex Fans Rodney Orpheus und die vielen alten Hits dieser Formation, die es zu hören gab. Und wie schon Tags zuvor hörte man auch hier wieder: "It's good to be back". Ein schöner Abschluss für dieses Festival.

Abschließendes Fazit: War ich am Freitag noch ziemlich enttäuscht und beinahe der Meinung, dass dieses nicht nur mein erstes, sondern wohl auch mein letztes WGT wäre, so stellte sich mit einigen besonders tollen Konzerten vom Sonntag und Montag auch bei mir große Zufriedenheit ein. Rückblickend hat es viel Spaß gemacht und sich gelohnt.

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Björn, 01.07.2007 14:05