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Home > Events > Wave Gotik Treffen vom 21.5.-24.5.2010 in Leipzig

Wave Gotik Treffen vom 21.5.-24.5.2010 in Leipzig

Wave Gotik Treffen 2010

Freitag
Der Freitag begann mit einer stressfreien Anreise nach Leipzig und zunächst wurde das Hotel bezogen. Da ich kein Zimmer mehr im Pentahotel bekommen hatte, ist es dieses Mal das Best Western direkt am Hauptbahnhof geworden. Kostenloses Wlan, aber Frühstück nur bis halb 11? Am nächsten Morgen stellte sich zum Glück heraus, dass das Frühstück während des gesamten Festivals bis 12 Uhr gereicht wurde. Das gab es letztes Jahr im Pentahotel so durchgängig nicht, ich war begeistert über soviel festivalkompatiblität. Die Bändchenausgabe für das Festival lag direkt gegenüber des Hotels, das war praktisch.

Blick aus dem Hotel

Für den Nachmittag war nichts spezielles geplant, so sind wir auf gut Glück zum Felsenkeller gefahren, da sich die komplett unbekannten Bandnamen zumindest interessant lasen. Neofolk höre ich nicht allzuoft, aber Rose Rovine E Amanti war schonmal ganz nett und durchaus nach meinem Geschmack. Richtig begeistert war ich im Anschluss aber von Hide&Seek. Mir bis dahin völlig unbekannt haben sie mich sehr an die einst von mir so geliebten Rise and Fall of a Decade erinnert, die ebenfalls auch Frankreich kamen. Eine tolle Entdeckung, so wechselte nach dem Konzert auch die erste CD von Hide & Seek den Besitzer und fand Platz in meiner Tasche.

Hide & Seek

Danach ging es weiter in den Spiegelpalast. Die Lesung Wort und Totschlag mit Christian von Aster stand auf dem Programm, bei der Auszüge aus verschiedenen Werken vorgetragen wurden. Der gemütliche Spiegelpalast hat sich dabei als wunderbare Location für solche Lesungen herausgestellt, auch wenn der das Cinestar gewohnte Autor sich irgendwie an den Rand abgeschoben fühlte und sorge hatte, seine Fans würden ihn dort nicht mehr finden. Dabei lag der Spiegelpalast doch auch nur wenige Schritte bzw. zwei Haltestellen hinter dem Bahnhof. Technische Probleme gab es nur mit dem Projektor-Laptop, der lieber den Bildschirmschoner und Systemmeldungen, als Vortragsrelevantes anzeigen wollte. Herr von Aster nahms mit Gelassenheit und Humor, das Publikum auch.

Spiegelpalast

Letzte Station an diesem Tag war das Schauspielhaus. Der Fußweg dorthin fiel doch etwas länger aus und so war das Konzert von Attrition leider schon weit fortgeschritten, als wir eintrafen. Daher konnten wir nur noch die letzten vier Songs sehen, aber auch das war schon sehr beeindruckend. Den Abschluss fand der Tag in der Moritzbastei, deren DJ-Programm mich an diesem Tag allerdings nicht begeistern konnte und die leider chronisch überfüllt war.

Samstag
Nach dem ausgiebigen ersten Frühstück war am Samstag ein Rundgang durch das Heidnische Dorf mit Treffen vom Schwarzes-Hannover Forum das erste Ziel. Weiter ging es von dort zum Agra Gelände zu den Auftritten von Rabia Sorda und Rotersand. Diese Bands hätte ich mir jetzt nicht unbedingt schon wieder auf dem WGT angesehen und in der Zeit lieber weniger bekannten Formationen den Vorzug gegeben, wollte in diesem Fall jedoch Rücksicht auf die Wünsche meiner Begleitung Rücksicht nehmen. Der Auftritt von Rotersand wurde zeitweise unterstützt von Ronan Harris, der den Song Merging Oceans mit Rascal im Duet sang.

Bloody Dead And Sexy

Direkt im Anschluss führte der Weg von der Agra Halle wieder quer durch die Stadt in den Felsenkeller. Bloody Dead And Sexy konnten mich dort das erste mal live als eine der eingängigsten Batcave Formationen überzeugen und auch hier gelang das ganz neue Album umgehend in meinen Besitz. Im Felsenkeller beschlossen Andy Sex-Gang und seine Sex Gang Children den Abend. Einerseits beeindruckend, aber bei aller Ehrfurcht vor einem der Wegbereiter der Szene: Hätte ich diese Musik schon in den 80ern wargenommen, hätte sie mir nicht wirklich gefallen und heute ergeht es mir irgendwie auch nicht anders. So habe ich mich während des Konzerts vor allem gefragt und mir vorzustellen versucht, wie dieser Mann wohl 30 Jahre jünger und ungestümer auf mich gewirkt hätte?

Sex Gang Children

Der Samstag fand sein Ende in der Villa, nachdem die Moritzbastei sich erneut als überfüllter Flop erwiesen hatte. In der Villa waren hingegen auf der EBM Tanzfläche beim „Terrordance“ Stücke zu hören, die ich entweder gar nicht kannte oder die mir bislang noch nie in hiesigen Clubs zu Ohren gekommen waren, obwohl es sich in diesem Fällen um alte Klassiker handelte. Ähnliches galt auch für die benachbarte Gothic Tanzfläche. Perfekt, weil mal etwas ganz anderes. Nur der zügellose Einsatz der Nebelmaschine ließ zeitweilig Sabotagegedanken aufkeimen.

Sonntag
Während in einem der Leipziger Clubs das WGT Programm in der Nacht unter dem Motto „Feiern mit Prominenten“ lief, lautete das Motto in unserem Hotel ab diesem Morgen „Frühstück mit Prominenten“. Unversehens tauchte ein bereits perfekt gestylter Veljanov am Frühstücksbüffet auf und bezog den Nachbartisch. Das Prominentenfrühstück setzte sich dann am Folgetag auch noch mit Auto-Auto, Colony 5, den Golden Apes, The Lovecrave und weiteren Musikern fort, die ich allerdings teilweise nur an ihren Bändchen als solche zu erkennen vermochte.

Kohlrabizirkus

Das Musikprogramm war an diesem Tag für mich ausschließlich auf den Kohlrabizirkus mit deutsch schwedischem Electroprogramm fokussiert. Los ging es dort am frühen Nachmittag mit Liquid Divine aus Leipzig, die schon seit Ihrem ersten Album zu meinen Lieblingsbands zählen und die ich nun erstmals live erleben konnte. Der anschließende Konzertmarathon mit ReActivate, Biomekkanik, Auto Auto, S.P.O.C.K., Colony 5, Elegant Machinery und Welle:Erball war zwar ziemlich anstrengend, aber es selbst rückblickend nichts dabei, was man hätte auslassen können.

Auto Auto

Vor allem die lebhaften Auto Auto konnten mich bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Monate mit ihrer ungebremsten Live-Energie begeistern und sind für mich der Beweis, dass auch eine reine Keyboard-Formation mit den richtigen Leuten auf der Bühne absolut rocken kann. Gleiches gilt für die noch recht neuen und bislang leider wenig bekannten Biomekkanik, deren Frontmann Christer später noch als Keyboarder bei Spock zu sehen war. Spock brachten zwar kein neues Material, dafür jedoch eine gewohnt unterhaltsame und spaßige Show mit vielen bekannten Hits und Scherz-Einlagen. Zu Beginn des Konzerts einheitlich in weiße Anzüge gekleidet, legten die Musiker diese nach zwei Stücken ab, um für den Rest des Auftritts in Supermannkostümen zu agieren. So wurde bei dieser Gelegenheit mit bedeutungsvoller Geste auch gleich der neue Bandname postuliert: S.P.O.C.K. steht ab sofort nicht mehr für „Star Pilot...“ sondern für „Super Pilot On Channel K“.

Spock

Auch bei Elegant Machinery war die Stimmung im Kohlrabizirkus wieder bestens und selbst kleinste Gesten von Sänger Robert wurden vom Publikum mit unaufgefordertem Jubel gefeiert. Das immer wieder von selbst aufkommende Kreischen und Mitklatschen im Publikum reichte zwar nicht ganz an die überwältigende Stimmung beim Elegant Machinery Auftritt vor drei Jahren an gleicher Stelle heran, aber trotzdem dürften viele andere Bands Elegant Machinery um dieses begeisterte Publikum beneiden. Vielleicht lag es auch wieder an den vielen schwedischen Besuchern darunter.

Elegant Machinery

Überraschend war für mich auch der Publikums-Andrang beim abschließenden Konzert von Welle Erdball. Nicht immer zieht der Headliner des Tages das meiste Publikum, aber hier wurde es nun richtig voll und zu spät angekommene Besucher hatten Schwierigkeiten, noch rechtzeitig hineinzukommen. Den unermüdlich arbeitenden Welle:Erdball, die seit Jahren unbeirrt ihr ganz eigenes musikalisches Werk durchziehen, sei dieser Zuspruch und Erfolg auf jeden Fall gegönnt. Die Show mit Schattenspielen, Drehtellern, Luftschlangenkanonen und Luftballons war nicht neu, sondern bei den letzten Konzerten bereits in ähnlicher Form zu sehen. Dennoch war das gebotene erneut kurzweilig und abwechslungsreich und wurde erfreulicherweise von zwei Kamerleuten gefilmt und live auf die große Leinwand übertragen. So hatten die hinteren Publikums-Reihen auch einen guten Blick.

Welle:Erdball

Montag
Der Montag ging gleich mit Welle:Erdball weiter. Es galt rechtzeitig für den neuen Welle:Erdball Film Operation Atahualpa anzustehen. Der Kinosaal war letztlich auch bis auf den letzten Platz besetzt. Der Film hielt für mich leider nicht, was der gelungene Vorgänger Operation Zeitsturm versprochen hat. Es war leider kaum Musik von Welle Erdball zu hören und manche Szenen waren arg in die Länge gezogen. Auch ist es eher ein Honey+Frl. Venus Film geworden, während ALF nur in einer ganz kurzen Nebenrolle zu sehen ist. Die Grundidee und auch die Low-Budget Umsetzung ist auf jeden Fall ganz originell und da es sich um eine unfertige Vorabversion handelte, mögen bis zur endgültigen Fassung vielleicht noch einige Schwächen ausgebügelt werden.

Nach einem weiteren Abstecher auf das Agra Gelände führte der letzte Weg des Tages wieder in das Schauspielhaus. Dark Orange standen auf dem Programm, nach 15 Jahren wiedervereint und mit neuem Material am Start. Ihr erstes Album „Oleander“ aus dem Jahr 1991 gehört zu den meistgehörten und zweifelsohne wichtigsten CDs meiner eigenen Sammlung und somit war ich auf diesen Auftritt besonders gespannt. Das gesamte Konzert kann ich einfach nur als wunderbar bezeichnen und vor allem die neue langsamere Interpretation des Songs „The Witch“ vom Album Oleander hat es mir angetan. Allerdings ist der Stil nicht mehr ganz mit dem vom ersten Album vergleichbar, sondern knüpft mehr an das ruhige Zweitwerk „Garden of Poseidon“ an, auf dem die schnelleren Nummern bereits verschwunden waren. Unterstützt wurden Dark Orange bei diesem Auftritt von Julia Beyer, der Sängerin der Band Chandeen und gemeinsam spielten sie einige Chandeen Songs, die Dark Orange Sängerin Katrin Wegener und Julia Beyer im Duet sangen.

Dark Orange

Da es sich nach diesem beeindruckenden Auftritt nicht mehr lohnte, noch woanders hinzugehen, blieben wir im Schauspielhaus, um auch noch Amber Asylum anzusehen. Auch dieser gediegene Auftritt des Damen-Trios aus San Franzisko mit wundervollen Melodien und glasklarem Gesang bildete für mich einen würdigen Abschluss des Festivals.

Fazit
Das Wave Gotik Treffen hat sich auch in diesem Jahr wieder absolut gelohnt. Viele interessante Bands, die man sonst nicht so schnell live erleben kann oder gar nicht kennengelernt hätte, in Verbindung mit Lesungen, Filmvorführungen, Märkten und ausgefallenen Partys haben auch dieses Mal das WGT für mich zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Und Leipzig für vier Tage zu einer phantastischen Gothic Stadt, in der man rund um die Uhr seinem Hobby nachgehen konnte.

Weitere Fotos finden sich in der Galerie: Klick

Eine Reihe meiner Videoclips in folgender Youtube Playlist:
Klick

Björn, 31.05.2010 01:06